perspektivenwechsel – 11. Oktober 2008

Januar 13, 2009

Mit meiner kleinen Schwester gehe ich die Petersburger Straße hinunter zum Frankfurter Tor. Halte ihre Hand und in der anderen ein Glas Sternburger Export. Familie. Und während ihre Geburtstagsparty anderorts weitergeht, frage ich mich, wie das wäre, wenn wir wieder immer Den Rest des Beitrags lesen »


episodisches

September 16, 2008

Am Ende legt man doch nochmal die Hand an die Schläfe, bevor man an Bord geht. Um einen herum Schwarzafrikaner, Araber, vielleicht ein paar Franzosen (?) und kaum noch Chinesen. Ansagen auf Arabisch. Der Bärtige schräg hinter mir betet gen Mekka, der Kerl im pink-schwarz gestreiften Polohemd vor mir besäuft sich mit Weißwein. Wer fliegt alles nach Lagos? Fünfzig Meter Gateway können einen Weltenwandel bedeuten – in diesem Fall Den Rest des Beitrags lesen »


zweiter versuch

August 28, 2008

Ich liege auf meinem Bett. Verquere Position ohne Kopfkissen, ohne Regung. Die Fenster sind offen. Draußen jagen sich große Fledermäuse während zehn Stockwerke tiefer der Verkehr dröhnt. Sirenen kommen und gehen, der Wasserwagen spielt “Bruder Jakob”, Lautsprecher an den Bussen warnen die Passanten: “Achtung! Ein Bus biegt ab. Achten Sie auf die Sicherheit!” sobald der Fahrer das Lenkrad einschlägt. Motoren aller Hubraumklassen heulen auf, Bremsen quietschen in allen Tonlagen von 14.000 Hz an aufwärts, Hupen. Alles kommt und geht und bleibt doch gleich wie das Meer und der Strand. Und ich bin voll und leer wie das Meer zugleich.

Im Bewusstsein dessen wartet man manchmal lange auf das Wissen warum. Und gelegentlich kommt der Schlaf zuerst, bei manchen soll es der Tod gewesen sein. Aber bitte.

Am Ende lauert immer Den Rest des Beitrags lesen »


nachvollzogen und verstanden

August 3, 2008

Es ist der Moment, zu schreiben. Ich fletze auf einem Sessel vor dem Fenster. Zehnter Stock. Vor mir ist Westen, ein Park, eine vierspurige Straße. 18.10 Uhr. Die Sonne wird bald untergehen, verdeckt durch den Dunst. Von unten dringt Verkehrslärm herauf. Anna und Uli, beide sind sie weg, abgehoben und verschwunden – mit Shandong Airlines, mit All Nippon Airlines. Und seit langer Zeit bin ich zum ersten Mal wieder wirklich alleine. Ich fletze also auf meinem Sessel und es stellt sich heraus: Es ist schwer zu schreiben, wenn man zu selten schreibt. Dinge passieren, Gedanken kommen und gehen, doch die reine Menge macht so leicht keine Geschichte aus den Tagen, die hinter einem liegen.
Es wäre Den Rest des Beitrags lesen »


wenn man an der uni köln studiert II

Juli 27, 2008

… doch dann:

Lieber Her P*****,

inzwischen ist ******* aus ****** Urlaub zurückgekehrt: Sie können an dem Seminar „******“ mittwochs noch teilnehmen.

Beste Grüße

*****

Wenn man an der Uni Köln studiert, geschehen noch Wunder.


wenn man an der uni köln studiert

Juli 18, 2008

Sehr geehrt************,

soeben habe ich entdeckt, dass die Hauptseminare von ********** für das nächste Semester innerhalb der letzten Tage bei UK-online geschaltet worden sind. Leider bin ich noch in China und würde mich daher gerne per Mail für das Seminar am Mittwoch (************) anmelden. Über eine kurze Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.

Vielen Dank für Ihre Mühe!

Mit freundlichen Grüßen,

**********

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wo ist phil

Juli 15, 2008

Der Schweiß läuft mir bereits über die Stirn und den Nacken. Ich bin erst acht Minuten unterwegs, bin nicht einmal gerannt. Jetzt halte ich in einer Traube von Zweirädern aller Motorisierungsklassen, warte darauf, dass das Ampelmännchen auf der gegenüberliegenden Straßenseite wie wild zu zappeln beginnt. Es ist kurz vor halb acht und ich muss noch bis zur nächsten Kreuzung, dann rechts, dann wieder rechts, dann in den 16. Stock. Als ich ankomme, klebt mir das Hemd stellenweise am Oberkörper. Die Klimaanlage nimmt mich in Empfang. Ich nehme Platz.

Heute ist mein Visum ausgelaufen. Den Rest des Beitrags lesen »


zeit sich zu verabschieden II

Juli 2, 2008

Es war mal wieder so weit: Ich war zum Tod verurteilt worden, in einem großen Land. Warum genau, das weiß ich nicht mehr so genau, da ich zwischen dem damals und dem jetzt gestorben und aufgewacht bin, Pizza und chinesische Tortilla gefrühstückt und einen Mittagsschlaf direkt nach dem Frühstück gehalten habe.

Aber was bringt endgültiger ins Leben zurück als ein Dallmayr Prodomo, der so stark ist, dass man ihn mit heißem Wasser verdünnen muss? Ich werde es nie zum Kaffeekocher bringen. Genauso wenig zu einem stringenten Schreibstil. Also…

Ich bin mal wieder zum Tode verurteilt worden, in einem großen Land. Ich habe Den Rest des Beitrags lesen »


zeit sich zu verabschieden I

Juni 27, 2008

Ich habe einen Sonnenbrand. Die Waschmaschine hat gerade mein einziges weißes T-Shirt ruiniert. Ich werde gleich zu spät zu meiner Verabredung kommen. Es sieht ganz so aus, als habe die Zeit der Wiederholungen begonnen. 2.15 Uhr: „phil in Qingdao“ 1. Staffel (Wdh.)

Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass es so still geworden ist um mich. In magnolien. magnolien als Land ausschließlich nur des Fortschritts? Und wenn es Wachstum gibt, gibt es dann Inflation? Wird das wieder ein Sermon ohne Sinn und ohne Leser? Bin ich noch ganz dabei?

Wahrscheinlich nicht, denn die Zeit – und nicht die Gärung – treibt mich in die Ferne, während Bilder aus meinem Kopf sich auf den Weg zu meinen zehn Fingern machen: Meine Gastmutter, wie sie über einen etwaigen Umzug spricht; Stichworte: Nomadenneurose, Anlageform Immobilie in Zeiten hoher, zunehmender Inflation. Dann plötzlich meine Heimatstadt im Winter 2006. Ein Dienstag Nachmittag, ein fülliges Mädchen mit ausgewaschenen blaugefärbten Haaren, übergibt sich auf den Bürgersteig vor dem HL.

Es wird unschön. Zeit, sich zu verabschieden…


wie man das so wahrnimmt

Mai 24, 2008

Meine Gedanken sind verklebt. Meine Gedanken sind verklebt durch Alltäglichkeiten, Wiedereinfindung in dieselben aber auch beherrschendes, da erfüllendes Verweilen im Augenblick. Manchmal glaube ich, dass es schon was Wahres hat: Erst das Leiden und die Einsamkeit lassen uns zu Denkern werden. Und mir geht es gut – hoffen wir, dass es so bleibt.

Ich spreche hier vom mehr oder weniger luxuriösen Leiden der weitgehend materiell Versorgten wie physisch Unversehrten. Ich spreche hier außerdem von (anderen) Menschen, die man wirklich als Denker bezeichnen könnte. Nichtsdestotrotz dienen Konzepte und Modelle auch dem kleinen Mann und der kleinen Frau als Flucht vor einer fatalistischen Nüchternheit in die Illusion eines selbstgestalteten Lebens bzw. als Flucht vor den komplexen Realitäten in eine schwarz-weiße Wahrheit. Und man muss nicht Nietzsche gelesen haben, um dem etwas abgewinnen zu können (vielleicht reicht es VWL and er Uni Köln zu hören).

In der Gesellschaft, in der ich derzeit lebe, kommt alles zusammen: Den Rest des Beitrags lesen »