stunden

Januar 26, 2008
Achtundreissig Stunden in einer rollenden Blechbuechse mit Plumsklo. Das mag fuer viele Anlass zu einer zweifelhaften Vorfreude sein. Wer bei der Lektuere von (so deutsch) in Shanghai bis zum Ende durchgehalten hat, der kann sich denken, inwieweit ich mich mental mit diesen Umstaenden ueberhaupt befasst hatte, als ich besagte Blechbuechse bestieg (der hat auch germerkt, dass ich mich dort in den Stunden vertan habe…). Verschwitzt war ich obendrein, verwirrt war ich untergruendig – aber ich war dabei und konnte mich an keinen wichtigen Fernzug erinnern, den ich – von den ueblichen DB-Umsteigedesastern einmal abgesehen – so knapp erreicht hatte. Den Rest des Beitrags lesen »

abstinenz

Januar 25, 2008

Ist auf jeden Fall schwerer, als wieder mit dem Rauchen anzufangen – glaubt selbst der Gelegenheitsraucher: magnolien lag lange brach, waehrend in China nach wie vor selbst die Hinterhoefe bestellt werden, wie die rote Erde Preussens es heute nur noch im grossen Stile kennt. In Qingdaos Wohngebieten (Hochhauswueste) kraeht wahlweise auch mal ein Hahn, selbstredend des Nachts. Doch das ist schon ein paar Tage her. Genauer gesagt war es die Nacht vor meinem Aufbruch nach Shanghai am 11.1, in der ich zunaechst von einem Geisterfrauenchor (wahlweise verfluchte Seelen oder audiomediale Kultur, China 2008 ) nachhaltig am Einschlafen gehindert wurde, bevor besagter Hahn mich um 4 Uhr beinahe aus dem Bett und in die Kueche, an den Messerblock, getrieben hat.
Grabe ich im hier und jetzt (24.1 Suedwestchina) nach den Tagen im Ruecken, dann wehrt sich die verschmolzene Reizflut einer zumindest geographisch bewegteren Zeit gegen ihre Entwirrung und ich bin versucht, meine Schreibe entgleisen zu lassen, wie es meine Sprache in den ersten Tagen des Monats getan hat.

Bedarf das bei mir gesonderter Erwaehnung?
Nun, wenn man ploetzlich merkt, dass man die letzten 20 min ohne Pause mit sich selbst gesprochen hat, dann ist das bedenklich. Wenn man sich eingestehen muss, dass man es in Form von Kalauern getan hat, dann greift man zur Paracetamol…. Und danach in aller Ruhe Dialoge mit dem Erreger zu fuehren, war zeitlich kein Problem – lag ich doch die ersten sechs Tage des neuen Jahres in Kapuzenpulli, Boxershort und Socken in meinem Bett. Habe zunaechst verschiedene Formen schmerzvoller Kraempfe danach die medizinischen Anweisungen aus meiner Hausapotheke (bis zu drei Praeparaten gleichzeitig) und nach dreieinhalb Tagen Wirren stoisch das Faltenmuster meines beigen Vorhangs studiert. Ja, es sind Gesichter darin zu erkennen. Und nein, ich werde in dieser Garkueche nie wieder essen.
Die Pruefungen lagen natuerlich just innerhalb der Phase, in der mich bereits der Weg ins Bad (alle zwanzig Minuten) ans Limit gefuehrt hat.
2008 hatte offensichtlich beschlossen, mich zur Ruhe zur bitten. Und als ich schliesslich am siebten Tag zum ersten Mal wieder vor die Tuere trat, hatte ich sie auch gefunden und doch wieder verloren, die Ruhe. Seitdem bin ich wie eh und je gehetzt, habe geplant, gesehen, photographiert, aufgesogen, gesprochen, gefragt, gehoert, verbockt, genossen, geschlafen, kaum verschlafen und bin ich, der gleiche, alte Hektiker. Menschen aendern sich nicht so schnell. Der Duktus einer Schreibe tut es auch nicht, magnolien geht weiter. Pathos inklusive.


(so deutsch) in shanghai

Januar 25, 2008
Kommt man an etwas heran, das zeitlich bereits in der zweiten Reihe abgelegt worden ist? Irgendwo wohl schon. Und, sich hier des Perfekts zu bedienen, verraet die Ambition, waehrend Shanghai sowie vor allem die Menschen, die zu treffen ich dort war, den Versuch rechtfertigen. Doch erstmal will gereist werden. Den Rest des Beitrags lesen »

dialog im januar

Januar 7, 2008

„Warum gibst Du nicht einfach auf und lässt ihn mir, den Sieg?“ Schien der Erreger zu fragen, der seit Tagen in meinem Verdauungstrakt wütete.

„Was erwüchse Dir daraus für ein Vorteil, wenn mein Flüssigkeitshaushalt kollabieren und ich dehydriert vor mich hinbrabbelnd langsam aber sicher verrecken würde? Spürt ein Erreger Genugtuung? Was für eine Zukunft hast Du denn ohne Deinen Wirt?“ frage ich in mich hinein.

„Die Frage nach Zukünftigem oder Endgültigkeit entbehrt für mich jeglicher Relevanz. Was zählt, ist das Jetzt, vielleicht das Gleich, in jedem Fall die Wendungen des Kampfes.“

„Warum ist das so? Siehst Du denn nicht: Zukunft?“

„Es ist Natur. Tumorartiges, unreflektiertes Wachsen, Blindheit und Gier; und doch als System, so gut, dass selbst Du, der Mensch, der in dem Rausch lebt, sich von ihr zu entfremden, nicht bis an ein Ende – und sei es ein nahes – denken kann und will.“

Da blieb ich stumm und wartete auf das Einsetzen der Wirkung der Medikamente.