Es ist der Moment, zu schreiben. Ich fletze auf einem Sessel vor dem Fenster. Zehnter Stock. Vor mir ist Westen, ein Park, eine vierspurige Straße. 18.10 Uhr. Die Sonne wird bald untergehen, verdeckt durch den Dunst. Von unten dringt Verkehrslärm herauf. Anna und Uli, beide sind sie weg, abgehoben und verschwunden – mit Shandong Airlines, mit All Nippon Airlines. Und seit langer Zeit bin ich zum ersten Mal wieder wirklich alleine. Ich fletze also auf meinem Sessel und es stellt sich heraus: Es ist schwer zu schreiben, wenn man zu selten schreibt. Dinge passieren, Gedanken kommen und gehen, doch die reine Menge macht so leicht keine Geschichte aus den Tagen, die hinter einem liegen.
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nachvollzogen und verstanden
August 3, 2008wo ist phil
Juli 15, 2008
Der Schweiß läuft mir bereits über die Stirn und den Nacken. Ich bin erst acht Minuten unterwegs, bin nicht einmal gerannt. Jetzt halte ich in einer Traube von Zweirädern aller Motorisierungsklassen, warte darauf, dass das Ampelmännchen auf der gegenüberliegenden Straßenseite wie wild zu zappeln beginnt. Es ist kurz vor halb acht und ich muss noch bis zur nächsten Kreuzung, dann rechts, dann wieder rechts, dann in den 16. Stock. Als ich ankomme, klebt mir das Hemd stellenweise am Oberkörper. Die Klimaanlage nimmt mich in Empfang. Ich nehme Platz.
Heute ist mein Visum ausgelaufen. Den Rest des Beitrags lesen »
zeit sich zu verabschieden I
Juni 27, 2008Ich habe einen Sonnenbrand. Die Waschmaschine hat gerade mein einziges weißes T-Shirt ruiniert. Ich werde gleich zu spät zu meiner Verabredung kommen. Es sieht ganz so aus, als habe die Zeit der Wiederholungen begonnen. 2.15 Uhr: „phil in Qingdao“ 1. Staffel (Wdh.)
Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass es so still geworden ist um mich. In magnolien. magnolien als Land ausschließlich nur des Fortschritts? Und wenn es Wachstum gibt, gibt es dann Inflation? Wird das wieder ein Sermon ohne Sinn und ohne Leser? Bin ich noch ganz dabei?
Wahrscheinlich nicht, denn die Zeit – und nicht die Gärung – treibt mich in die Ferne, während Bilder aus meinem Kopf sich auf den Weg zu meinen zehn Fingern machen: Meine Gastmutter, wie sie über einen etwaigen Umzug spricht; Stichworte: Nomadenneurose, Anlageform Immobilie in Zeiten hoher, zunehmender Inflation. Dann plötzlich meine Heimatstadt im Winter 2006. Ein Dienstag Nachmittag, ein fülliges Mädchen mit ausgewaschenen blaugefärbten Haaren, übergibt sich auf den Bürgersteig vor dem HL.
Es wird unschön. Zeit, sich zu verabschieden…
wie man das so wahrnimmt
Mai 24, 2008Meine Gedanken sind verklebt. Meine Gedanken sind verklebt durch Alltäglichkeiten, Wiedereinfindung in dieselben aber auch beherrschendes, da erfüllendes Verweilen im Augenblick. Manchmal glaube ich, dass es schon was Wahres hat: Erst das Leiden und die Einsamkeit lassen uns zu Denkern werden. Und mir geht es gut – hoffen wir, dass es so bleibt.
Ich spreche hier vom mehr oder weniger luxuriösen Leiden der weitgehend materiell Versorgten wie physisch Unversehrten. Ich spreche hier außerdem von (anderen) Menschen, die man wirklich als Denker bezeichnen könnte. Nichtsdestotrotz dienen Konzepte und Modelle auch dem kleinen Mann und der kleinen Frau als Flucht vor einer fatalistischen Nüchternheit in die Illusion eines selbstgestalteten Lebens bzw. als Flucht vor den komplexen Realitäten in eine schwarz-weiße Wahrheit. Und man muss nicht Nietzsche gelesen haben, um dem etwas abgewinnen zu können (vielleicht reicht es VWL and er Uni Köln zu hören).
In der Gesellschaft, in der ich derzeit lebe, kommt alles zusammen: Den Rest des Beitrags lesen »
zurückhaltung bitte
April 22, 2008
Ich war schon immer gut darin, mich mit meiner Meinung zurückzuhalten. Das merkt man im Allgemeinen nach fünf Minuten. Auch Anwandlungen wie ein übertriebenes Geltungs- und Teilhabebedürfnis haben mich noch nie überkommen. Dafür wird jeder von Euch schnell ein, zwei Beispiele finden. Und – nur um es zu erwähnen – auch radikale Äußerungen liegen mir seit jeher fern. Das werden zumindest diejenigen bestätigen, die mich ein bisschen länger kennen. Jaja, die Phase, in der ich mit der Hoffnung fehlging, doch irgendwann ein guter Mensch werden zu können…
Warum reite ich auf diesen, meinen Vorzügen ausgerechnet jetzt und an dieser Stelle herum? Nun, zurzeit bin ich Gast in einem Land, in dem derartige Tugenden angebracht sind.
Du wirst sie doch aber auch und gerade in diesen Zeiten gepflegt haben, die erwähnten Tugenden? Bist doch ein bisschen älter geworden, inzwischen, und auch ein kleines, kleines bisschen weiser – hoffentlich…?!
Jaja. Ich bin opportunistischer geworden – weiser oder besonnener heißt das auch im landläufigen Sprachgebrauch. Aber dieser Wandel und seine (Un)richtigkeit stehen auf einem anderen Blatt. Ein Nebenschauplatz…
Die heutige Geschichte spielt vielmehr Den Rest des Beitrags lesen »
current affairs
April 21, 2008Wenn die ebenso ehrliche wie berechnete Gewalttätigkeit der anderen
mich den Menschen in mir fürchten lässt.
Wenn Orwell’sche Dogmen und voraufklärerische Perspektiven mir entgegenschlagen und
mich für einen Moment glauben lassen, dass es im Kontrast dazu doch eine Wahrheit geben könnte.
Wenn ich plötzlich von vergessenen Emotionen heimgesucht werde, die
mich erkennen lassen, was ich erfolglos auszublenden versucht habe.
Wenn ich also mit dem mir eigenen pathetischen Habitus unter den Realitäten dieser Welt leide,
leide ich dann nicht vielleicht eigentlich an der Scham darob, sie nicht grundlegend ändern, ja nicht einmal wirklich verstehen zu können?
Oder vielleicht doch lieber dem Vorschlag von heute Morgen folgen? „Das sind alles sehr komplizierte Probleme, mit denen wir uns deswegen nicht beschäftigen dürfen.“
sehr interessant
April 9, 2008Nicht dass ich generell viel Zeit darauf verwenden würde, anhand von Negativbeispielen einen guten Stil für mich selbst reklamieren zu wollen (dafür ist es ohnehin zu spät), aber das hier – zumal auf meiner eigenen flickr-Seite – war dann doch einen Kurzeintrag wert:
Dies sind Ihre 8 beliebtesten Inhalte, sortiert nach Interestingness. (s.u.)
Interessant! Interessant auch: Die meistbesuchten Bilder tauchen nicht auf!? Wahrscheinlich habe ich nicht nur den richtigen Gebrauch im Deutschen sondern auch das Konzept von Interestingness noch gar nicht verstanden. Mit der Bitte um Aufklärung und mit den besten Grüßen an alle szenigen flickr-Menschen…
Nachgehakt: Noch more interesting ist allerdings, das ich nicht nur das Konzept von Interestingness nicht verstanden habe sondern auch das Einstellen von fundierten Einträgen und das Platzieren von Links, die auch andere Menschen außer mir nutzen können… will sagen, zu unterscheiden, welche Stilblüten der Öffentlichkeit vorenthalten werden und welche nicht. So bleibt nur, sich weiterhin über magnolien zu belustigen… Mit der Bitte um Nachsicht und mit den besten Grüßen an alle amüsierten Betrachter…
je mehr, desto gleicher
März 23, 2008Je mehr ich verstehe, je mehr ich mir vorstellen kann, was viele Menschen hier antreibt, was sie im Augenblick unserer Begegnung wohl fühlen mögen, nach was sie sich sehnen könnten; je mehr ich sie also zu kennen glaube – pauschal – die Chinesen, desto fremder werden sie mir. Oder vielleicht ist es gerade anders herum: Desto mehr werde ich zu dem Fremden unter ihnen, der ich eigentlich gar nicht bin.
Wir sind schließlich Den Rest des Beitrags lesen »
freitag
März 8, 2008„Da hab ich aber gut ein’ gehabt.“ Das Bier perlt. Und wie das perlt, schäumt, Psychoses über die Hand und auf das Tischchen läuft, auf dem eben noch zwanzig Lammspieße lagen (Szene: Straßenkreuzung, Sandhaufen, Kieshaufen, Grillstand, Menschenähnliche)… „Transformiert ham wir die, die Lammspieße…“ Nun, ein bisschen transformiert sind wir auch… Moment: Das Bier schäumt noch weiter…
Ja, transformiert waren wir wohl. Und das war vorhin. Jetzt ist alles wieder ein bisschen runtergekühlt und die einzige Dynamik Den Rest des Beitrags lesen »
verschnaufpause
Februar 14, 2008In der Einführung in die Mikroökonomik wird einem erzählt, dass ein Berg wächst, wenn man aufhört, an ihm hinaufzusteigen. Ich habe mir damals noch vorgenommen, den Modellcharakter dieses Konzepts nie zu vergessen und mich immer wieder selbst auf die Suche nach der Welt zu machen, die allein in Zahlen zu beschreiben mir beigebracht werden soll. Doch: Gerade habe ich angehalten und mich ein bisschen umgeschaut; und ich muss eindeutig feststellen: Den Rest des Beitrags lesen »
Verfasst von phil
Verfasst von phil
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