zweiter versuch

August 28, 2008

Ich liege auf meinem Bett. Verquere Position ohne Kopfkissen, ohne Regung. Die Fenster sind offen. Draußen jagen sich große Fledermäuse während zehn Stockwerke tiefer der Verkehr dröhnt. Sirenen kommen und gehen, der Wasserwagen spielt “Bruder Jakob”, Lautsprecher an den Bussen warnen die Passanten: “Achtung! Ein Bus biegt ab. Achten Sie auf die Sicherheit!” sobald der Fahrer das Lenkrad einschlägt. Motoren aller Hubraumklassen heulen auf, Bremsen quietschen in allen Tonlagen von 14.000 Hz an aufwärts, Hupen. Alles kommt und geht und bleibt doch gleich wie das Meer und der Strand. Und ich bin voll und leer wie das Meer zugleich.

Im Bewusstsein dessen wartet man manchmal lange auf das Wissen warum. Und gelegentlich kommt der Schlaf zuerst, bei manchen soll es der Tod gewesen sein. Aber bitte.

Am Ende lauert immer Den Rest des Beitrags lesen »


nachvollzogen und verstanden

August 3, 2008

Es ist der Moment, zu schreiben. Ich fletze auf einem Sessel vor dem Fenster. Zehnter Stock. Vor mir ist Westen, ein Park, eine vierspurige Straße. 18.10 Uhr. Die Sonne wird bald untergehen, verdeckt durch den Dunst. Von unten dringt Verkehrslärm herauf. Anna und Uli, beide sind sie weg, abgehoben und verschwunden – mit Shandong Airlines, mit All Nippon Airlines. Und seit langer Zeit bin ich zum ersten Mal wieder wirklich alleine. Ich fletze also auf meinem Sessel und es stellt sich heraus: Es ist schwer zu schreiben, wenn man zu selten schreibt. Dinge passieren, Gedanken kommen und gehen, doch die reine Menge macht so leicht keine Geschichte aus den Tagen, die hinter einem liegen.
Es wäre Den Rest des Beitrags lesen »


zeit sich zu verabschieden II

Juli 2, 2008

Es war mal wieder so weit: Ich war zum Tod verurteilt worden, in einem großen Land. Warum genau, das weiß ich nicht mehr so genau, da ich zwischen dem damals und dem jetzt gestorben und aufgewacht bin, Pizza und chinesische Tortilla gefrühstückt und einen Mittagsschlaf direkt nach dem Frühstück gehalten habe.

Aber was bringt endgültiger ins Leben zurück als ein Dallmayr Prodomo, der so stark ist, dass man ihn mit heißem Wasser verdünnen muss? Ich werde es nie zum Kaffeekocher bringen. Genauso wenig zu einem stringenten Schreibstil. Also…

Ich bin mal wieder zum Tode verurteilt worden, in einem großen Land. Ich habe Den Rest des Beitrags lesen »


spaziergang mit tüte

April 14, 2008

8.11 Uhr in China. Bald schon ist Mai und die Bäume entlang der Xianggang Donglu haben zu blühen begonnen. Ich trage meinen Wintermantel offen, die Haare so wie sie sich über Nacht entwickelt haben und in der Hand eine Plastiktüte mit kleinen Plastiktüten voller Restaurantessen darin. Halbtransparent.

Das ist in China nichts Ungewöhnliches, außer vielleicht um diese Uhrzeit. Und während ich so den vor mir laufenden Hund betrachte, komme ich mir auch nicht wirklich fehl am Platze vor. Es handelt sich um einen dieser klein gezüchteten, goldbraunen Fellbälle mit spitzer Schnauze. Dieses Exemplar trägt obendrein ein Kleidchen auf – mit rotem Rockteil und weißem Oberteil mit zwei roten Kirschen darauf. Den krassen Gegensatz dazu markiert seine Besitzerin, gekleidet wie eine Süßkartoffelverkäuferin lässt ihre Statur mich auf 35 mehr oder weniger harte Jahre schließen, die hinter ihr liegen dürften. Da passen die Plastiktüte und ich in meinen Augen noch besser zusammen, als sie und der Hund.

Noch deplatzierter wirkt Den Rest des Beitrags lesen »


näher dran

April 5, 2008

Wir sind näher dran, am Geschehen. Sind umgezogen, sitzen jetzt zwischen Meer (2 min) und Universität (10 min). Gute Lage sollte man denken. Und ja, unsere Gated Community hat einen Tennisplatz. Aber trotzdem stehen die meisten Wohnungen leer. Wieso nur?

Vielleicht sollte man es so sagen: Den Rest des Beitrags lesen »


freitag

März 8, 2008

„Da hab ich aber gut ein’ gehabt.“ Das Bier perlt. Und wie das perlt, schäumt, Psychoses über die Hand und auf das Tischchen läuft, auf dem eben noch zwanzig Lammspieße lagen (Szene: Straßenkreuzung, Sandhaufen, Kieshaufen, Grillstand, Menschenähnliche)… „Transformiert ham wir die, die Lammspieße…“ Nun, ein bisschen transformiert sind wir auch… Moment: Das Bier schäumt noch weiter…

Ja, transformiert waren wir wohl. Und das war vorhin. Jetzt ist alles wieder ein bisschen runtergekühlt und die einzige Dynamik Den Rest des Beitrags lesen »


alles relativ

März 2, 2008

Zeit ist relativ, bis zu einem gewissen Grad; und das, obwohl der Tod ihr eine starke Position einräumt. Von wegen lang oder kurz. Denkt der Mensch nicht vielmehr in richtig oder falsch, angemessen oder unangemessen, in Vergleichen – auch und gerade dann, wenn es darum geht, ob er sich aufregt? Wenn ich am frühen Abend des 16.1 am einen Ende Chinas in einen Zug hechte, um am späten Abend des 19.1 am anderen Ende in einem kleinen Dorf in ein Bett zu kriechen, über dem chinesische Popstars an der Wand hängen – was ist das dann?
Es lässt sich an solchen Stellen wunderbar über stunden lamentieren, aber in Bezug auf jemanden, der in keiner westlichen Deadlinemaschine hängt, muss man feststellen: Das ist angemessen, das ist – konsequent gesprochen – sogar richtig!

Noch hänge ich in keiner Deadlinemaschine. Wer mich kennt, kennt aber den Strukturneurotiker in mir (wahlweise mich im Strukturneurotiker). Und so war der einzige Punkt, an dem ich mich aufgeregt habe, der, Den Rest des Beitrags lesen »


ausgestiegen (perspektiven am 2.2)

Februar 6, 2008
Meine Hände frieren. Mit Handschuhen tippt es sich schlecht und mein Oberkörper sieht es nicht ein, Wärme an die Peripherie des Körpers abzutreten. Das wäre aus seiner Sicht ja auch in etwa so, als wenn man Häuser baute, die einem das Gefühl vermitteln, dass permanent die Fenster offen stünden. An dieser Stelle muss ich konstatieren: Wir sind der Natur in uns leider meilenweit hinterher.
Das ist nichts Neues. Aber normalerweise gleichen wir dieses kognitive Defizit dadurch aus, das wir die Welt um uns herum in den Ofen schmeißen (o.ä.) – das heißt dann Heizung. Heizung gibt es hier aber auch keine, war man wenigstens konsequent an dieser Stelle mit dem Unterlassen. Ja.
Um mich herum ist Den Rest des Beitrags lesen »

(so deutsch) in shanghai

Januar 25, 2008
Kommt man an etwas heran, das zeitlich bereits in der zweiten Reihe abgelegt worden ist? Irgendwo wohl schon. Und, sich hier des Perfekts zu bedienen, verraet die Ambition, waehrend Shanghai sowie vor allem die Menschen, die zu treffen ich dort war, den Versuch rechtfertigen. Doch erstmal will gereist werden. Den Rest des Beitrags lesen »

von gott gesandt (oder: blasphemische weihnachten)

Dezember 23, 2007

Es ist Sonntagmorgen punkt zwei Uhr. Habe Nudeln mit Ei und scharfen Minifischen (< 2cm) zum Frühstück gegessen und sitze jetzt mit Schädelweh und meinem letzten Instant-Cappucino auf der großen Kunstledercouch im Wohnzimmer. Alle sind ausgeflogen, nur ASS Ratiopharm und der kleine Plastikweihnachtsbaum auf dem Esstisch leisten mir Gesellschaft. Obwohl ich glaube, dass letzterer noch schläft: Die bunten Lichter sind zumindest aus…
Weihnachtsbaum? Stimmt, stimmt. Für morgen ist ja ein heiliger Abend angesetzt. Chinesische Weihnachten – vielleicht auch mit ein Grund für (m)einen Schädel? Nicht etwa, dass man sich darüber hinweghelfen müsste, dass Weihnachten hier nicht stattfindet. Nein, nein. Weihnachten beginnt in China vielmehr bereits Anfang November. 20 Jahre Konsumrückstau wollen schließlich aufgeholt werden und dabei wird natürlich an allen Fronten gekämpft – Kulturgrenzen spielen da keine Rolle (Ha! Huntington).
Mein ganz persönlicher Kampf hat vor ca. zweieinhalb Wochen begonnen. Genauer gesagt an dem Punkt, an dem Den Rest des Beitrags lesen »