April 22, 2008
Ich war schon immer gut darin, mich mit meiner Meinung zurückzuhalten. Das merkt man im Allgemeinen nach fünf Minuten. Auch Anwandlungen wie ein übertriebenes Geltungs- und Teilhabebedürfnis haben mich noch nie überkommen. Dafür wird jeder von Euch schnell ein, zwei Beispiele finden. Und – nur um es zu erwähnen – auch radikale Äußerungen liegen mir seit jeher fern. Das werden zumindest diejenigen bestätigen, die mich ein bisschen länger kennen. Jaja, die Phase, in der ich mit der Hoffnung fehlging, doch irgendwann ein guter Mensch werden zu können…
Warum reite ich auf diesen, meinen Vorzügen ausgerechnet jetzt und an dieser Stelle herum? Nun, zurzeit bin ich Gast in einem Land, in dem derartige Tugenden angebracht sind.
Du wirst sie doch aber auch und gerade in diesen Zeiten gepflegt haben, die erwähnten Tugenden? Bist doch ein bisschen älter geworden, inzwischen, und auch ein kleines, kleines bisschen weiser – hoffentlich…?!
Jaja. Ich bin opportunistischer geworden – weiser oder besonnener heißt das auch im landläufigen Sprachgebrauch. Aber dieser Wandel und seine (Un)richtigkeit stehen auf einem anderen Blatt. Ein Nebenschauplatz…
Die heutige Geschichte spielt vielmehr Den Rest des Beitrags lesen »
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Verfasst von phil
April 5, 2008
Wir sind näher dran, am Geschehen. Sind umgezogen, sitzen jetzt zwischen Meer (2 min) und Universität (10 min). Gute Lage sollte man denken. Und ja, unsere Gated Community hat einen Tennisplatz. Aber trotzdem stehen die meisten Wohnungen leer. Wieso nur?
Vielleicht sollte man es so sagen: Den Rest des Beitrags lesen »
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Verfasst von phil
Januar 26, 2008
Achtundreissig Stunden in einer rollenden Blechbuechse mit Plumsklo. Das mag fuer viele Anlass zu einer zweifelhaften Vorfreude sein. Wer bei der Lektuere von
(so deutsch) in Shanghai bis zum Ende durchgehalten hat, der kann sich denken, inwieweit ich mich mental mit diesen Umstaenden ueberhaupt befasst hatte, als ich besagte Blechbuechse bestieg (der hat auch germerkt, dass ich mich dort in den Stunden vertan habe…). Verschwitzt war ich obendrein, verwirrt war ich untergruendig – aber ich war dabei und konnte mich an keinen wichtigen Fernzug erinnern, den ich – von den ueblichen DB-Umsteigedesastern einmal abgesehen – so knapp erreicht hatte.
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Verfasst von phil
Januar 25, 2008
Ist auf jeden Fall schwerer, als wieder mit dem Rauchen anzufangen – glaubt selbst der Gelegenheitsraucher: magnolien lag lange brach, waehrend in China nach wie vor selbst die Hinterhoefe bestellt werden, wie die rote Erde Preussens es heute nur noch im grossen Stile kennt. In Qingdaos Wohngebieten (Hochhauswueste) kraeht wahlweise auch mal ein Hahn, selbstredend des Nachts. Doch das ist schon ein paar Tage her. Genauer gesagt war es die Nacht vor meinem Aufbruch nach Shanghai am 11.1, in der ich zunaechst von einem Geisterfrauenchor (wahlweise verfluchte Seelen oder audiomediale Kultur, China 2008 ) nachhaltig am Einschlafen gehindert wurde, bevor besagter Hahn mich um 4 Uhr beinahe aus dem Bett und in die Kueche, an den Messerblock, getrieben hat.
Grabe ich im hier und jetzt (24.1 Suedwestchina) nach den Tagen im Ruecken, dann wehrt sich die verschmolzene Reizflut einer zumindest geographisch bewegteren Zeit gegen ihre Entwirrung und ich bin versucht, meine Schreibe entgleisen zu lassen, wie es meine Sprache in den ersten Tagen des Monats getan hat.
Bedarf das bei mir gesonderter Erwaehnung?
Nun, wenn man ploetzlich merkt, dass man die letzten 20 min ohne Pause mit sich selbst gesprochen hat, dann ist das bedenklich. Wenn man sich eingestehen muss, dass man es in Form von Kalauern getan hat, dann greift man zur Paracetamol…. Und danach in aller Ruhe Dialoge mit dem Erreger zu fuehren, war zeitlich kein Problem – lag ich doch die ersten sechs Tage des neuen Jahres in Kapuzenpulli, Boxershort und Socken in meinem Bett. Habe zunaechst verschiedene Formen schmerzvoller Kraempfe danach die medizinischen Anweisungen aus meiner Hausapotheke (bis zu drei Praeparaten gleichzeitig) und nach dreieinhalb Tagen Wirren stoisch das Faltenmuster meines beigen Vorhangs studiert. Ja, es sind Gesichter darin zu erkennen. Und nein, ich werde in dieser Garkueche nie wieder essen.
Die Pruefungen lagen natuerlich just innerhalb der Phase, in der mich bereits der Weg ins Bad (alle zwanzig Minuten) ans Limit gefuehrt hat.
2008 hatte offensichtlich beschlossen, mich zur Ruhe zur bitten. Und als ich schliesslich am siebten Tag zum ersten Mal wieder vor die Tuere trat, hatte ich sie auch gefunden und doch wieder verloren, die Ruhe. Seitdem bin ich wie eh und je gehetzt, habe geplant, gesehen, photographiert, aufgesogen, gesprochen, gefragt, gehoert, verbockt, genossen, geschlafen, kaum verschlafen und bin ich, der gleiche, alte Hektiker. Menschen aendern sich nicht so schnell. Der Duktus einer Schreibe tut es auch nicht, magnolien geht weiter. Pathos inklusive.
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Verfasst von phil
Januar 7, 2008
„Warum gibst Du nicht einfach auf und lässt ihn mir, den Sieg?“ Schien der Erreger zu fragen, der seit Tagen in meinem Verdauungstrakt wütete.
„Was erwüchse Dir daraus für ein Vorteil, wenn mein Flüssigkeitshaushalt kollabieren und ich dehydriert vor mich hinbrabbelnd langsam aber sicher verrecken würde? Spürt ein Erreger Genugtuung? Was für eine Zukunft hast Du denn ohne Deinen Wirt?“ frage ich in mich hinein.
„Die Frage nach Zukünftigem oder Endgültigkeit entbehrt für mich jeglicher Relevanz. Was zählt, ist das Jetzt, vielleicht das Gleich, in jedem Fall die Wendungen des Kampfes.“
„Warum ist das so? Siehst Du denn nicht: Zukunft?“
„Es ist Natur. Tumorartiges, unreflektiertes Wachsen, Blindheit und Gier; und doch als System, so gut, dass selbst Du, der Mensch, der in dem Rausch lebt, sich von ihr zu entfremden, nicht bis an ein Ende – und sei es ein nahes – denken kann und will.“
Da blieb ich stumm und wartete auf das Einsetzen der Wirkung der Medikamente.
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Verfasst von phil
November 18, 2007
Wie verbringen Chinesen ihren Samstagabend? Das frage ich mich zwar schon hin und wieder, die Antwort liegt aber nahe: Ein großer Teil wird ihn mit Arbeiten verbringen (wie jeden Tag und jeden Abend), viele werden ihn zu Hause mit Essen und Erholung (von den harten restlichen Abenden) begehen und die oberen fünf Prozent nutzen ihn zum Geld ausgeben, Fräuleins inklusive.
Gehen Chinesen auch ins Kino? Müsste man annehmen, ist aber gleichzeitig zu bezweifeln, da eine Karte soviel kostet wie vier – topaktuelle und ungeschnittene – DVDs. Keine gute Ausgangslage für einen Kinobetrieb. Wäre es im Kino nicht dunkel, wahrscheinlich wären die Ränge leer (vgl. das Thema – was tun 22jährige ChinesInnen, wenn…).
An diesem Samstagabend sind die Ränge leer, Spätvorstellung. Ob die Ränge leer sind, kümmert mich als Kunden aber eigentlich nicht; dafür habe ich ein anderes Problem: Es macht nur halb so viel Spaß, wenn die Begleitung (da Chinesisch A-Kurs) im Kino nichts versteht – zumindest solange es sich nicht um einen intuitiven Film handelt. Tut es nicht. Dementsprechend fällt es mir, der zumindest etwas versteht, schwer, entspannt meine Chinesischkenntnisse zu trainieren (manche werden einwerfen: aber wann bist Du schon mal entspannt?). Ok, zu diesem Zweck bin ich schließlich auch nicht hergekommen. Also gehen wir, nach Hause – und das ist ja auch keine schlechte Sache…
Im Taxi kommt es dann zu einer unerwarteten Planänderung: Wie wäre es mit einer Fußmassage? Was soll man da sagen? Von Massageeinrichtungen jedweger Art habe ich mich bis dato zwar gezielt ferngehalten, einer Dame kann man den Wunsch nach Entspannung aber nicht ausschlagen. Und solange es nur die Füße sind… die Füße, ohoh… in welchem Zustand sind meine Füße?
Als wir ankommen, werde ich in diese Hinsicht entspannter. Es gibt eine Tür, durch die nur die Herren der Schöpfung gehen. Die Tür zur Dusche. Diese Tür bzw. das Drumherum geben mir allerdings gleichzeitig Anlass zu neuen Sorgen. Wo bin ich hier gelandet? Den Rest des Beitrags lesen »
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Verfasst von phil
September 26, 2007
„Warum heißt es ‚im’ Mond?“ frage ich die Lehrerin mit dem schnellen Redefluss. Sie lacht nur und erzählt weiter die Geschichte von Chang E, der Frau ‚im’ Mond. Nicht dass es bei uns nicht auch ‚im’ Mond heißt, aber wenn man meine Grammatikfragen (die innvollen) schlicht ignoriert, rege ich mich leicht auf und gerate mitunter sogar ins Schmollen. Zurück gibt es dann zwei Wege: Ich lasse mich bitten (das kann dauern) oder erkläre den nächsten Punkt einfach ungefragt selbst… ihr kennt mich. Dafür hat mich mein Grundschullehrer schon geliebt.
Schuld an allem sind natürlich meine lieben Eltern, die mich von klein auf daran gewöhnt haben, dass man sich ernsthaft gestellten Fragen auch stellt.
Doch zurück zur Frau im Mond. Verdammt schön soll sie gewesen sein, schön und
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Verfasst von phil
September 16, 2007
Starre Mienen, entschlossene Gesichter, angespannte Körper, martialische Kommandos: ChinesInnen, wie Spiegel, Boulevard und Stammtisch sie fuerchten.
Viele Kehlen, ein Schlachtruf. Viele Beine, ein Rhythmus. Ich stehe und verstehe nichts; schon hebt der Marinesoldat die rote Fahne. Der nächste Trupp setzt sich in Bewegung. Der örtliche Parteisekretär präsidiert auf der Tribuene. Vorhin ist er im Paradejeep an den strammstehenden Uniformierten vorbeigefahren. China kampfbereit.
40 min später. Die Tränen kullern, Taschentücher und Handys werden gezueckt; betretenes Scharren mit den Turnschuhen. Weinende Turnschuh-Soldaten? Was läuft hier? Den Rest des Beitrags lesen »
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Verfasst von phil